Traumkraft feat. Alien Nature - Traumzeit
Eigenvertrieb / www.traumkraft.de / (2011)

(5 Stücke, 75:10 Minuten Spielzeit)

Alien Nature ist in der Elektronikszene ein Begriff, veröffentlicht Wolfgang Barkowski, der sich hinter diesem Pseudonym verbirgt, doch schon seit mehreren Jahren seine Elektronikmusik. Traumkraft ist der Musiker Marc Iwaszkiewicz, von dem ich bisher noch nichts gehört hatte. Auf dem Album „Traumzeit“ kommen diese beiden Musiker zusammen und erstellen eine ganz eigene, neue Art der Elektronikmusik.

 
 


Wolfgang und Marc haben sich über das hiesige Kirchengemeindeblatt kennen gelernt und sich ein paar Mal getroffen. Das Ergebnis daraus ist die nun erschienene CDR „Traumzeit“. Daneben haben die beiden auch bereits ein gemeinsames Konzert in der Lutherkirche gegeben.

Wenn man sich das Instrumentarium von Marc anschaut, dann findet man dort Instrumente wie Didgeridoo, Flöten, Maultrommel und Korg/Chaoscillator. Die meisten davon sind für elektronische Verhältnisse ungewöhnlich, handelt es sich doch um organische Instrumente, die man eher in der Folkecke vermuten würde. Wolfgang bedient dagegen einige analoge und digitale Synthies und Sampler.

Die Kombination dieser unterschiedlichen Instrumente ist es, die die Musik von Traumkraft feat. Alien Nature ausmacht. Da werden ethnische Klänge von den beiden erzeugt, die sehr natürlich wirken. Das liegt vor allem an Marc's Instrumentarium. Beruflich ist er Atempädagoge. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Instrumenten wie das australische Didgeridoo sowie diversen Arten von Flöten. Mit seinem Chaoscillator loopt er darüber hinaus seine Instrumente, alle anderen elektronischen Klänge stammen von Wolfgang.

Die Grundlage der Musik bilden Marc's Motive, die er auf seinen Instrumenten eingespielt und geloopt hat. Diese wurden dann von Wolfgang synchronisiert, der dann zu dem Ergebnis einige Flächen und Harmonien live gespielt hat. Das Ergebnis sind fünf lange ambiente Stücke mit Laufzeiten zwischen elf und 23 Minuten.

Mit dem gut 21minütigen „Licht“ startet die CD. Ganz leise Klänge, so als wenn sie aus weiter Ferne langsam näher kommen, eröffnen dieses erste Stück. Um zu Beginn etwas zu hören muss man die Anlage schon ziemlich aufdrehen. Dann setzt die Maultrommel ein und das ethnische Ambiente breitet sich langsam vor dem Ohr des Hörers aus. Das ist ungewöhnlich und (ent)spannend zugleich. Die Maultrommel gibt den Takt vor, zu dem sich schwebende Synthieflächen gesellen. Diese Kombination ist außergewöhnlich aber auch besonders ansprechend. Die Flöte gibt dann mit ihren Harmonien noch mehr an ethnischem Feeling hinzu. Sehr gut passen auch die eingestreuten Perkussion von Rhythmushölzern dazu. Langsam entwickelt sich dieser Longtrack und zieht den Hörer so magisch in seine Klangwelt hinein.

Das elfminütige „Koto“ ist ähnlich ambient angelegt, weist aber dem Titel entsprechend einen asiatischen, sprich japanischen Flair auf. Hier geht es dann auch wesentlich rhythmischer und melodiöser zu als im Track „Licht“. „Energie“ ist mit seinen mehr als 23 Minuten Spielzeit der längste Track des Albums. In den ersten drei Minuten scheint die Energie noch langsam zu fließen, bis dann ein treibender, pumpender Beat diese weiter anzutreiben scheint. Es entwickelt sich ein typischer Elektroniktrack mit wechselnden Strukturen und Rhythmen, der aber vor allem durch seine ungewöhnliche Instrumentierung aus der Maße hervorsticht. Das hat was hypnotisches und fesselndes.

Die beiden elfminüter „Im Fluss“ und „Tanz der Krabben“ beschließen dann die erste Zusammenarbeit von Marc Iwaszkiewicz aka Traumkraft und Wolfgang Barkowski alias Alien Nature. „Im Fluss“ wird von einem Rauschen, so wie es an den Meeresufern zu hören ist, bestimmt, auf dem dann die Maultrommel ihre hypnotischen Sounds ausbreitet. Dieser wird nach einigen Minuten durch die Synthies unterstützt und von treibenden Sequenzerrhythmen nach vorn gebracht. „Tanz der Krabben“ ist da viel perkussiver. Das Stück klingt wie ein rhythmischer Tanz aus dem Südsee-Bereich. Die zunächst noch sehr organischen Instrumente werden im Verlauf durch unterkühlte synthetische Klangmuster abgelöst.

Mit ihrem Debütalbum „Traumzeit“ ist den beiden Musikern Traumkraft und Alien Nature ein sehr schönes ambientes, von zahlreichen ethnischen Klängen durchzogenes Werk geglückt. Vor allem durch die natürlichen Instrumente kommt hier eine besondere Note in die Musik, bei der man seine Gedanken fliegen lassen kann. Wer auf ambiente, harmonische Elektronikmusik steht, der bekommt eine sehr gelungen CD, bei der man gut entspannen kann.

Stephan Schelle, November 2011