Alien Nature - Massive
SynGate Records (2010)

(8 Stücke, 75:20 Minuten Spielzeit)

Wolfgang Barkowski aka Alien Nature brachte sein letztes Soloalbum 2008 unter dem Titel „Construction“ heraus. Danach widmete er sich der Kollaboration mit Torsten M. Abel, mit dem er das Album „Medusa“ als Alien Nature + TMA im Jahr 2009 veröffentlichte. Ein weiteres Projekt, an dem er beteiligt ist, ist die große Kollaboration von Musikern unter dem Titel Ambient Circle, die den 2008’er Newcomerpreis bei der Schallwelle-Preisverleihung einheimsen konnte. Anfang 2010 erscheint aber mit neues „Massive“ ein Soloalbum von Wolfgang.

 
 


Das Cover ziert eine Industrieanlage vor einem düsteren, bewölkten Himmel. Nicht nur dieses Bild schließt an das Cover des Vorgängers „Construction“ an, sondern auch thematisch und musikalisch stellt „Massive“ eine Fortsetzung des Vorgängers dar.

Stand bei „Construction“ noch die Arbeit in der verarbeitenden Industrie des Ruhrgebietes im Vordergrund, so sind es auf „Massive“ die Maschinen der Schwerindustrie, die Wolfgang inspirierten. Wolfgang versucht mit seiner Musik eigene Erfahrungen, die er im Berufsleben gemacht hat, auszudrücken. Aus diesem Grund wird auch nicht - wie beispielsweise bei Kraftwerk - die Technik glorifiziert und als faszinierende Entwicklung vertont, vielmehr wollte Wolfgang ein Bild von Maschinenfabriken als stinkende, ölige, kaputte und laute, oftmals monströse Objekte aufzeigen.

Diese Darstellung gelingt ihm recht gut, denn auf „Massive“ geht Wolfgang wieder mehr seinem Talent nach, Dark Ambient zu vertonen. Die einzelnen Stücke, auf die ich hier nicht im Einzelnen eingehen möchte, sind oft recht düster angelegt, ohne dass der Musiker oder Hörer dabei aber in Depressionen verfallen müsste. Oftmals hat man das Gefühl sich in großen Produktionshallen zu befinden, wo man der Herstellung von Metall zusehen kann. Man riecht förmlich die kalte oder auch heiße Atmosphäre der Schwerindustrie.

Wolfgang selbst sagt: „Dennoch verstehe ich mein Werk nicht als Negativ-Statement - immerhin wird diese Technologie auch gebraucht. Es ist mehr ein bisschen wie beim ersten „Alien“-Teil: Die fliegen mit ihrem stinkenden Tanker durchs All und eigentlich könnte die Besatzung sich was Schöneres vorstellen, aber im Grunde hält die Maschinerie sie bei der Stange. Wenn man so will geht es um diese Art von Technik-Symbiose ohne die es heutzutage ja gar nicht mehr funktioniert.“

Apropos Kraftwerk; im Stück „Just Solutions“ kommen doch noch einige Rhythmen und Sounds an den Laserstrahl, die an die großen Düsseldorfer Pioniere erinnern. Allerdings sind dies nur Fragmente, die das Gesamtbild unterstützen.

Wolfgang gefällt mir mit seinem Alien Nature-Projekt immer dann am besten, wenn er sich dem Dark Ambient verschreibt, so wie er das auf „Massive“ macht. Wolfgang lässt aber auch die Melodiebögen nicht verkümmern sondern hat immer einige Harmoniefolgen, die rhythmisch unterlegt sind, in seine Stücke eingebaut. Aus diesem Grund gefällt mir die Scheibe auch gut und ich kann sie all denen empfehlen, die „Construction“ ebenfalls mochten oder auch einer etwas düsteren Variante der traditionellen Elektronikmusik nicht abgeneigt sind.

Stephan Schelle, Februar 2010