Alien Nature: Heisenberg 1

Wolfgang Barkowski, 2012

 

 

1.

Heisenberg 1

24:19

2.

Heisenberg 2

23:08

3.

Heisenberg 3

18:23

4.

Heisenberg 4

13:52

 

 

Eher zufällig bin ich an diese Veröffentlichung von Alien Nature (Wolfgang Barkowski) gekommen, und sie ist recht „unauffällig“. Die CD steckte mit einem einfachen aber ansprechenden Faltcover in einer schlichten Hülle. Hätte Wolfgang mich nicht selbst auf sein Album aufmerksam gemacht, dann wäre es mir womöglich entgangen. Nicht auszudenken! – Gut, dass man sich ab und zu über den Weg läuft...

Es geht bei diesem Album, das zuerst im Sommer 2012 live bei Codos Traumreisen (eldoradio) aufgeführt worden ist, um den Physiker Werner Heisenberg (1901 – 1976). Nun, Physik ist meine Sache nicht, weshalb ich mich lieber um die Musik kümmere und mich darauf beschränke. Da fühle ich mich wesentlich besser aufgehoben.

Wolfgang hat hier wieder ein Album vorgelegt, das genau meine Kragenweite ist: Alien Nature pur, Berliner Schule mit Ecken und Kanten, mit für Wolfgang Barkowski typischen Klängen.

Die vier richtig schön langen Tracks, die eine gesamte CD-Laufzeit ausfüllen, strotzen nur so vor Sequencern, was ganz nach meinem Geschmack ist. In den Stücken sind immer wieder angemessen nach technischen Experimenten klingende Sounds eingestreut.

Im ersten Teil ist schon zu erkennen, dass die Melodieführung in der Musik von Alien Nature nicht unbedingt vorhersehbar ist. Wolfgang baut häufiger überraschende Wendungen oder „Sprünge“ ein. Mit den schon angesprochenen „technischen“ Sounds setzt auch der rhythmische Teil von „Heisenberg 1“ ein, und eine enorme Kraft entfaltet sich durch weitere Elemente, die das Stück aufbauen. Ganz langsam wird die Energie zurückgefahren, bis irgendwann eine einzelne Sequenz weiterläuft. Darauf wird wiederum neu aufgebaut, aber mit veränderten Elementen. Leider „verläuft“ sich in den letzten Minuten von „Heisenberg 1“ die Melodie ein wenig ziellos.

Der Beginn von „Heisenberg 2“ ist eher Ambient, bis nach gut fünf Minuten kräftig das Schlagzeug dreinhaut. Darüber spielt Wolfgang eine Melodie, die mir als solche, und auch durch ihren Klang äußerst gut gefällt. Nach der halben Laufzeit kommt eine Art Bruch mit experimentell klingenden Sounds, bis diese wieder von Sequencer und Melodie abgelöst werden.

Mit einer ähnlichen, aber etwas dunkleren Ambientstimmung wie bei dem zweiten Track beginnt „Heisenberg 3“. Auch hier ändert sich das nach einigen Minuten. Allerdings wird der rhythmische Teil, der hier wesentlich zurückhaltender als beim vorigen „Heisenberg 2“ ist, sacht in die Musik eingewoben. Es folgt eine lange Melodiephase, und danach erfährt das Stück eine klangliche und rhythmische Veränderung.

Obschon es auf dieser Produktion kein ausgesprochen ruhiges Stück gibt, wirkt „Heisenberg 4“ trotz des bewegten Rhythmus wie eben solch ein ruhiger Titel. Das liegt wahrscheinlich an der sehr schönen und entspannten Melodie, die sich aus langen Tönen entwickelt. Ca. 4 Minuten vor Ende wird aber noch einmal aufgeblendet, und als sei es ein eigener Track, wird es einmal mehr lebhafter. Der letzte Titel seines Albums hat einen einfachen, aber wirkungsvollen Schluss. Außerdem ist „Heisenberg 4“ insgesamt ein sehr schöner Abschluss des Albums.

Auf der Webseite von Alien Nature ist zu lesen, dass „Heisenberg 2“ in Vorbereitung ist…

 

Andreas Pawlowski

 

Bezug: Spheric Music

Alien Nature - Heisenberg 1
Eigenvertrieb (2012)

(4 Stücke, 79:45 Minuten Spielzeit)

Wolfgang Barkowski alias Alien Nature scheint in 2012 recht geschäftig gewesen zu sein, denn nach seinem 2011’er Werk „Station Platforms“ veröffentlicht er zum Ende des Jahres 2012 gleich zwei Werke. Während „Who Goes There?“ als CDR beim SynGate-Label erschienen ist, ist „Heisenberg 1“ (der Titel weist darauf hin, dass wohl weitere Teile folgen werden) im Eigenvertrieb als CDR erhältlich. Das bedeutet allerdings auch, dass der CDR lediglich ein aufklappbares Cover beigelegt ist, das im Innenteil blank ist. Außer den Titeln sind der Veröffentlichung daher keine Infos zu entnehmen.

 
 


Vier Longtracks enthält die CDR, deren Laufzeiten zwischen 13:52 und 24:19 Minuten liegen. Thematisch geht es bei den Stücken um das Leben und das Werk von Werner Heisenberg, der durch seine Unschärferelation bekannt wurde und maßgeblich an der Quantentechnik beteiligt war. Wolfgang Barkowski hat quasi eine Art musikalischer Biografie mit dem Album erstellt.

Betitelt sind die Stücke lediglich mit „Part 1“ bis „Part 4“, ohne dass die einzelnen Tracks auf Ereignisse oder Stationen im Leben von Werner Heisenberg hinweisen. Man kann sich als Hörer also seine eigenen Gedanken zu der Musik machen. „Part 1“ bringt es auf mehr als 24 Minuten und beginnt zunächst etwas undefinierbar. Vielleicht ist es die Unschärfe der Klänge, die noch nicht genau aufzeigen, wo es hinführen und wie es weitergehen soll. Nach vier Minuten kommt ein recht technischer Rhythmus hinzu und der Track beginnt Fahrt aufzunehmen. Auch steigt ab diesem Moment die Dynamik an. Wolfgang spielt über dem sehr dominanten Rhythmus (er setzt auch Sounds ein, die entfernt an Jarre erinnern) einige Harmonien.

Nahtlos überführt Wolfgang den ersten Part in „Part 2“, das mit sanften Flächen zunächst zu schweben scheint. Nach dem rhythmischen und druckvollen Opener eine Erholung für die Ohren. Gut fünf Minuten lässt Wolfgang diese Flächen wirken, bevor er dann mit Sequenzerrhythmen und Schlagzeug dann wieder rockiger zu Werke geht. Durch das Schlagzeug bekommt dieses Stück eine Krautrock artige Note, die ihr gut zu Gesicht steht. Im letzten Drittel herrschen dann aber wieder elektronischen Gerätschaften und Sequenzerrhythmen vor, um kurz vor dem Ende noch mal ein rockiges Zeichen durch das Schlagzeug zu setzen. Nach 23 Minuten ist dieser Part dann beendet und geht nahtlos in den 18minütigen „Part 3“ über.

Auch „Part 3“ beginnt zunächst mit Flächen, die jetzt aber bedeutungsschwanger in der Luft hängen. Diese Phase dauert gut fünf Minuten an, in der es auch mal sphärisch und experimentell zugeht. Dann kommt ein ungewöhnlicher, treibender Rhythmus aus dem Off und sorgt für unglaublich hypnotische Stimmungsbilder. Nach gut acht Minuten wird es dann melodischer. Der Track entwickelt sich immer weiter und zieht einen magisch an. Das ist hochgradig spannend.

Mit 13:52 Minuten ist „Part 4“ der kürzeste Track des Albums. Aber eigentlich stehen die vier Stücke als ein Opus zusammen. Dieser Track beginnt ebenfalls sehr geheimnisvoll und bedrohlich. Diese Musik könnte ich mir auch gut als Soundtrack für einen spannungsgeladenen Science Fiction- oder Horrorfilm vorstellen. Diese Phase dauert gut zweieinhalb Minuten an. Dann bestimmen rhythmische und transparente Synthieklänge das Bild. Wolfgang wechselt hier Strukturen, Sounds, Melodik und Rhythmik, was den Track spannend hält.

Auch „Heisenberg 1“, das zweite Album von Alien Nature, das kurz vor Jahresende 2012 noch das Licht der Laser erblickt, bietet hochgradig spannende Elektronikmusik. Mystische Sounds und teils treibende Rhythmen sind es, die bei diesem Album bestechen. Sollte man unbedingt reinhören.

Stephan Schelle, Dezember 2012