Alien Nature - Construction
SynGate (2008)

(7 Stücke, 65:37 Minuten Spielzeit)

Hinter dem Pseudonym Alien Nature verbirgt sich der Elektroniker Wolfgang Barkowski. Nachdem im Jahr 2007 mit „Anna“ ein eher liebliches Elektronikalbum von Wolfgang auf den Markt kam, bei dessen Kompositionen sich Wolfgang von seiner zweijährigen Tochter Anna, die auch Titelgeberin des Albums war, hat inspirieren lassen, geht es auf dem neuen Album „Construction“ wieder etwas herber zur Sache.

Das Thema von „Construction“ hatte Wolfgang ursprünglich in den Bereich von Bohrinseln gelegt, sich dann aber anders entschlossen und es in die Ecke der Industrie verlegt. Das liegt auch gar nicht so fern, kommt Wolfgang doch auch aus dem Ruhrgebiet, wo eine Vielzahl von Industrieanlagen zu finden ist. Und so ziert auch das Albumcover ein Industriegebäude. Aber die Idylle im Sonnenuntergang täuscht, denn wie zum Beispiel der letzte Titel („Through Rain, Through Tears“) verrät, geht es nicht nur harmonisch sondern auch hart und tränenreich in diesem Industriezweig zu.
 

 

 

 

Dem Thema entsprechend finden sich auf dem Album metallische Klänge die an Arbeiten an Fräsen, Hochöfen, etc. erinnern. Diese Stimmungen unterlegt Wolfgang mit melodischen Passagen, die aber immer auch von härteren Sounds begleitet werden. Da die Stücke alle ineinander übergehen, entsteht der Eindruck eines Ganzen, konzeptähnlichen Werkes. In „Construction 1“ bietet er auf den zwei Minuten Spielzeit eine Soundcollage die nicht nur nach Arbeit sondern auch irgendwie futuristisch klingt.

„Departure“ bietet am Anfang einen Rhythmus, der mich stark an Peter Gabriel erinnert, allerdings nicht den Druck wie bei Gabriel entfalten kann. Eine schleppende Melodielinie durchzieht diesen mit 14:29 zweitlängsten Track des Albums. Im folgenden „Construction 2“ erzeugt Wolfgang wieder Soundcollagen, wie er es auch schon im ersten Part gemacht hat.

„Offshore“ bietet mit seinen Sequenzen und den eingeflochtenen Sprachfetzen eine erste Abwechslung. Dieser Track klingt freundlicher als die zuvor genannten Stücke. Hier hat Wolfgang verschiedene Sounds übereinander gestapelt und schüttet so eine ordentliche Klangfülle auf den Hörer aus. Vielleicht an einigen Stellen etwas zu viel.

Das zenhminütige „The Source“ zeichnet sich durch weite Flächen und Synthiechöre aus. Diese zunächst über mehr als vier Minuten laufenden Flächen ziehen dahin, wie Rauchschwaden aus einem Schornstein. Das hat wieder etwas Mystisches und Bedrückendes. Dann folgt mit dem abschließenden „Through Rain, Through Tears“, das es auf mehr als 20 Minuten bringt, das Highlight des Albums. Hier hat Wolfgang seine ganze Kreativität hineingelegt. Wechselnde Tempi und Rhythmen sowie Soundeffekte machen aus dem Stück eine musikalische Geschichte.

Die etwas düstere Seite von Alien Nature gefällt mir eindeutig besser, als sein seichteres Ich. „Construction“ ist ein solides Album geworden, das aber an manchen Stellen – wie zum Beispiel in „Departure“ etwas zu konstruiert wirkt, da mich nicht alle Melodielinien überzeugen. Das Album lebt aber durch die dichte Atmosphäre, die durch die eingesetzten Effekte erzeugt werden. Vor allem der letzte Track kann überzeugen.

Stephan Schelle, April 2008